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Kreditrisikosteuerung

Von Alois Högl, Berlin

Der Prozess des Risikomanagements lässt sich, laut Moser / Quast (Haight 1997, S.11; Kilgus 1994, S. 38; Moser / Quast 1994, S. 669), in vier Phasen einteilen:

Das Kreditrisikomanagement und die Kreditrisikosteuerung werden dabei vom Stand der Methoden zur Messung des Marktrisikos beeinflusst, allein schon durch die Interdependenz zwischen Markt- und Kreditrisiko (Hehn 1997; o. V. 1998c; Vintschger / Zaker 1996; Webb 1999, S. 25).

Die Berechnung der Wahrscheinlichkeit und Varianz des Verlustes und die relative Wahrscheinlichkeit der verschiedenen möglichen Stufen eines unerwarteten Verlustes innerhalb eines Kreditportfolios ist hierbei natürlich grundlegend für ein effektives Kreditrisikomanagement (Credit Suisse Financial Products 1997). Die Verteilung der Ausfallwahrscheinlichkeiten erfolgt nicht symmetrisch, also nicht gemäß einer Normalverteilung, die aber trotzdem bei vielen Akteuren in der Praxis angenommen wird (Schätzle 2014, S. 8).

Gerade bei dem noch ungewohnten Instrument der Kreditderivate ist die ständige Information des höheren Managements und Kontrolle durch dieses unabdingbar (Spillenkothen 1997, S. 6f.), ggf. ist eine Einarbeitung und Schulung der Entscheidungsträger zu projektieren um diese mit den durch die Kreditderivate entstehenden Neuerungen im Risikomanagement vertraut zu machen und die Potenz zur Schaffung von mehr Transparenz im Kreditrisiko (Scott-Quinn / Walmsley 1998, S. 9) nicht leichtfertig aus Spiel zu setzen.

Zum konventionellen Risikomanagement gehören die Portfoliodiversifikation, d.h. die Anlagestreuung, die Stellung von Sicherheiten oder die Ausgliederung von Risikopositionen in von der Mutterfirma abgetrennte Projektgesellschaften ohne Rückgriffsmöglichkeit (Savelberg 1996, S.329) oder durch die Übertragung des Risikos (Büschgen 1993, S. 806ff.; Eilenberger 1996, S. 211; Neal 1996, S. 18f.; Savelberg 1996, S. 329; Schierenbeck 1997, S. 228f.) auf Dritte, z.B. in einem Kreditgeberkonsortium. Eine wirklich effiziente Risikosteuerung wurde damit aber nicht erzielt. Die Kreditderivate sind gegenüber diesen hergebrachten Methoden äußerst flexibel und aufgrund der Tatsache, dass der zugrundeliegende Wert, das Underlying, selbst nicht veräußert werden muss, sondern nur eine Forderung darauf gehandelt wird, auch extrem kostensparsam. Sie bieten denselben Komfort im Handel mit Kreditrisiken, den andere Finanzderivate für den Handel mit Währungs- und Zinsrisiken bieten (BeSaw 1997; Brosnan / Barton 1996, S. 3f.; Kuster 1998). Die Besitzer des Underlyings müssen in Handel der auf sie bezogenen Forderungen weder involviert noch überhaupt davon informiert sein, wodurch die sensiblen Geschäftsbeziehungen der Banken mit ihren Kunden unberührt bleiben (Masters 1998) und auch Investoren ein eventuell ansonsten verwehrter Zugang zu den Kreditmärkten eröffnet wird (Savelberg 1996, S.331)

Der Handel mit den Ausfallrisiken lässt sich durch die Kreditderivate in den off-balance-Bereich (OSB) verlagern (Brosnan / Barton 1996, S. 1; Masters 1998, Savelberg 1996, S.329; Spillenkothen 1997, S. 4; Spinner 1996).

Gegenüber weiteren konventionellen Instrumenten wie z.B. HERMES (Häberle 1994, S. 774ff.) und der Kreditversicherung (Murphy 1996, S.123) zeichnen sich Kreditderivate vor allem durch ihre Flexibilität im Gegensatz zum recht illiquiden Markt für Kreditversicherungen, deren Gegenstand meist nur sehr genau umrissene Forderungen sind, aus. Während die Kreditversicherungen auch des nicht immer zweifelsfrei und objektiv feststellbaren Ausfalles bedürfen um wirksam zu werden ist beim Instrument der Kreditderivate durch deren freie Handelbarkeit ein jederzeitiges Reagieren auf eine Bonitätsveränderung möglich. Dies ist vor allem besonders aufgrund der oft recht langen Bearbeitungsfrist der Versicherungen bis zur Auszahlung der Kreditversicherungsleistungen interessant.

Im Gegensatz zur bei der Kreditversicherung allein möglichen Garantie für die ganze Laufzeit können bei Kreditderivaten auch Teile der Laufzeit gehandelt werden. Es ist also weit eher die Präzision, mit der die Kreditderivate einzelne Aspekte des Kreditrisikos isolieren und transferieren können, als die ökonomische Substanz, die sie von den eher traditionellen Kreditinstrumenten unterscheidet und neben der Modellierung des Kreditausfallrisikos auf Portfoliobasis, der Kreditrisikovorsorge und ausgefeilten Ansätzen zur genaueren Bestimmung des Kapitalbedarfs zu einem essentiellen Werkzeug des Kreditrisikomanagements hat werden lassen (Brosnan / Barton 1996, S. 4; Credit Suisse Financial Products 1997; Jacob et al. 1995; Hehn 1997; Masters 1998; Sandiford 1999).

Literatur