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Kreditrisiken

Von Alois Högl, Berlin

Als Risiko wird die Gefahr einer negativen Abweichung von einem erwarteten Verlauf verstanden (Kusuoka 1998; Lustgarten 1998; Madan / Unal 1993; Moser / Quast 1994, S. 665; Neu 1997, Wüst 2014, S. 20). Es handelt sich bei den bezüglich eines Kredits zu treffenden Entscheidungen, so wie bei fast allen unternehmerischen Fragen, um Entscheidungen unter Unsicherheit (Wüst 2014, S. 19), die allein auf der Annahme von zukünftig eintreffenden Entwicklungen beruhen. Um diese Unsicherheit zu verringern und die Annahmen zu systematisieren wurden verschiedene Modelle und Verfahren entwickelt, wobei als erster Schritt die genaue Beschreibung der verschiedenen Bestandteile des Gesamtrisikos erfolgt.

Unterschieden werden kann im Bankenbereich nach den operationellen Risiken sowie denjenigen Risiken, die durch den Finanzbereich bestimmt werden. Zu den Letzteren zählen die Kreditrisiken, die Liquiditätsrisiken und die Marktpreisrisiken (Wüst 2014, S. 21).

Das allgemeine Kreditrisiko bzw. Bonitätsrisiko besteht darin, dass ein Kreditnehmer seine fälligen Verpflichtungen dem Gläubiger gegenüber nicht in vollem vertraglichen Umfange, sei es nicht in vereinbarter Höhe oder nicht zum vereinbarten Zeitpunkt erfüllen kann (Barclays 1997; Neal 1996, S. 16). Das Kreditrisiko umfasst hierbei den Verlust durch jegliche unerwünschte oder nicht vereinbarte Aktion bzw. Veränderung, sei dies eine Verschlechterung der Kreditwürdigkeit des Debitoren, d. h. dem Downgrading seines Rating, mit der Folge eines niedrigeren Handelswertes des Schuldtitels bis hin zum kompletten Zahlungsausfall (Brosnan / Barton 1996, S. 5; Haight 1997, S. 12; Hull 1997, S. 132f.; Kilgus 1994, S. 66; Scharpf / Luz 1996, S. 55f.) oder auch einen Preisverfall des Underlying von vereinbarter Höhe (Materialitätsklausel). Das Kreditrisiko lässt sich mit Hilfe von Kreditderivaten hedgen. Bei Verkaufsoptionen erfolgt hierbei eine Absicherung gegen Bonitätsverschlechterung (Banks 1997, S. 161ff.; Murphy 1996, S. 124; Savelberg 1996, S. 330f.), bei Kaufoptionen eine Spekulation auf Bonitätsverbesserung.

Eine tatsächliche oder erwartete Herabstufung des Ratings durch die Ratingagenturen zieht im allgemeinen eine Verschlechterung des Credit Spreads auf dem sekundären Markt nach sich, die sich in mark-to-market Verlusten ausdrückt und einige Portfolios zu obligatorischen Verkäufen zwingt. Dieses Risiko kann allerdings mit Herabstufungsoptionen (downgrade options), gehedged werden (Citicorp 1996; Masters 1998).

Obwohl bei einer Verringerung der Kreditwürdigkeit eines Schuldners z.B. durch Zahlungsverzögerung aufgrund temporärer Liquiditätsengpässe keinesfalls vom Ausfall und Verlust sämtlicher Transferleistungen ausgegangen werden kann, werden doch auch die Begriffe Kreditrisiko und Ausfallrisiko meist synonym verwandt.

Ungleich dem durch die Schwankungen von Zinsen, Aktienkursen und Währungen beeinflusstem Marktrisiko wird das Kreditrisiko wesentlich durch die individuelle Situation des Debitoren determiniert, kann also weitgehend über Instrumente dargestellt werden, die sich unmittelbar auf den jeweiligen Marktteilnehmer beziehen (Credit Suisse Financial Products 1997; Savelberg 1996, S. 329), und nur in zweiter Linie, in der Form des Länderrisikos (Büschgen 1993, S. 819ff.; Credit Suisse Financial Products 1997; Dym 1997; Eilenberger 1996, S. 453ff.; Häberle 1994, S. 36ff.; Hüttemann 1997, S. 54; Neal 1996, S. 16; Savelberg 1996, S. 331; Schierenbeck 1997, S. 213; Scott-Quinn / Walmsley 1998, S. 17; Shapiro 1996, S. 612ff.; Vintschger / Zaker 1996; Xu / Taylor 1994; Zaik et al. 1996, S. 90), welches das durch hoheitliche Eingriffsmaßnahmen gegenüber grenzüberschreitenden Kapitaldienstleistungen sowie durch hohe Leistungsbilanzdefizite verschiedener Länder (Barnish et. al. 1997, S. 80; Betsch et. al. 1997, S. 150; Iacona 1997, S. 22; Morgan 1997; Savelberg 1996, S. 328; Steltzner 1996, S. 11) entstehende Risiko beschreibt, durch wie auch immer kollektiv bestimmte Wirtschaftsfaktoren.

Das Kreditrisiko selbst teilt sich wesentlich (Credit Suisse Financial Products 1997; Jarrow / Turnbull 1995, S. 53) in das durch den Handel des Titels bzw. den Wertveränderungen auf Grundlage des Marktwertes (mark-to-market) ((Eilenberger 1996, S. 233ff.; Schierenbeck 1997, S. 227f.; Schmoll 1991, S. 20ff.) und die auf Grundlage der subjektiven Einschätzung der Marktteilnehmer permanent sich verändernde, durch deren individuelle Markteinschätzung beeinflusste Marktpreisrisiko bzw. Credit Spread Risk (Litterman / Iben 1991; Nielsen et. al. 1993) und das durch die Qualität der Basisforderung bestimmte Credit Default Risk bzw. Adressenausfallrisiko.

Das Kreditrisiko, dessen Untereinheiten u. a. das Vorleistungsrisiko, das Abwicklungsrisiko und das Großrisiko sind, wird wesentlich durch die individuelle Situation des Debitoren determiniert, kann also weitgehend über Instrumente dargestellt werden, die sich unmittelbar auf den jeweiligen Marktteilnehmer beziehen (Savelberg 1996, S. 329), und nur in zweiter Linie, in der Form des Länderrisikos ((Dym 1997; Häberle 1994, S. 36ff.; Hüttemann 1997, S. 54; Scott-Quinn / Walmsley 1998, S. 17; Shapiro 1996, S. 612ff.; Vintschger / Zaker 1996; Xu / Taylor 1994; Zaik et al. 1996, S. 90), welches das durch hoheitliche Eingriffsmaßnahmen gegenüber grenzüberschreitenden Kapitaldienstleistungen sowie durch hohe Leistungsbilanzdefizite verschiedener Länder (Barnish et. al. 1997, S. 80; Betsch et. al. 1997, S. 150; Iacona 1997, S. 22; Morgan 1997; Steltzner 1996, S. 11) und durch wie auch immer anderweitig kollektiv bestimmte Wirtschaftsfaktoren beschreibt.

Die marktorientierten Bestimmungsfaktoren des Zinsänderungsrisikos (Heath et al. 1992) sind Zinsdivergenzen, die aus Marktzinsänderungen resultieren, die nur ungleichmäßig auf Kundenvereinbarungen übertragbar sind. Das heißt, es gelingt den Instituten nicht bei einer allgemeinen Zinssteigerung eine entsprechende Steigerung der Kapitalmarktzinsen durchzusetzen, während die Geldmarktzinsen in voller Höhe weitergegeben werden. Gründe für derartige Einbußen sind meist im hohen Konkurrenzdruck zwischen den Instituten zu suchen. Häufig ist nur eine geringe Änderung der Kapitalmarktzinsen möglich, ohne erhebliche Kundenverluste zu erleiden. Dieser Aspekt gewinnt ebenfalls im Rahmen des Strukturwandels und des im Rahmen der Internationalisierung gestiegenen Konkurrenzdrucks, zunehmend an Bedeutung, denn es war eine immer weiter zunehmende Zinsvolatilität an den Kapitalmärkten zu beobachten. Die Bankenaufsicht wurde aufgrund der hohen Relevanz des Zinsänderungsrisikos vor neue Herausforderungen gestellt. Ziel der Behörden sollte sein eine adäquate Erfassung des Zinsänderungsrisikos anzustreben. Das Zinsänderungsrisiko, welches in Nominalbeträgen auf 14% des Eigenkapitals beschränkt war, wurde berücksichtigt. Das Zinsänderungsrisiko aus der Fristentransformation wurde allerdings nicht erfasst. Die Schließung dieser Gesetzeslücke wurde auch nicht durch die Transformation der EG- Solvabilitätskoeffizientenrichtlinie ((Scharpf 1993) in nationales Recht erreicht. Sie führte jedoch zu einer Ausdehnung der Vorschriften auf die Marktrisiken des Handelsbuches (Schulte-Mattler 1994).

Die Marktpreisrisiken lassen sich wiederum in das Zinsänderungsrisiko, das Fremdwährungsrisiko das Aktien-/ Indexkursrisiko und das Rohstoffpreis- oder Rohwarenrisiko unterteilen. Sowohl das Adressenausfallrisiko, als auch das Marktpreisrisiko ist zu den quantifizierbaren Risiken zuzuordnen. Der Gruppe der nicht quantifizierbaren Risiken ist das Liquiditätsrisiko, das Betriebsrisiko, das Rechtsrisiko, sowie das Handels- und Steuerrechtliche Risiko zuzuordnen. Eine weitere Kategorie bedeutsamer Risikopotentiale erfolgt unter dem Oberbegriff Geschäftsrisiken. Risiken dieser Art können einerseits mit Mitarbeitern und andererseits mit Gläubigern auftreten. Banktypische Geschäftsrisiken sind das Adressenausfallrisiko, das Preisänderungsrisiko und das Liquiditätsrisiko. Die Organisations- und die Geschäftsrisiken sind zu den qualitativen Normen der Bankenaufsicht zu zählen, wobei das Zielrisiko als quantitative Norm gilt. Qualitative Normen gelten aufgrund unzureichender Transparenz hinsichtlich der Unternehmensstruktur und der Risikobereitschaft des Managements als schwieriger bestimmbar. Um Managementrisiken geschäftspolitisch einzugrenzen, sind wiederum quantitative und qualitative Normen notwendig. So ist einerseits darauf zu achten, dass keine zu hohe Arbeitsbelastung vorliegt und andererseits eine angemessene Qualifikation der Mitarbeiter gewährleistet ist (Büschgen 1981, S. 223f.).

Ein weiteres, auch der Kategorie der Marktrisiken zuzuordnenden Risiken, ist das Wechselkursrisiko. Das Wechselkursrisiko ergibt sich aus Geschäften in fremden Währungen und aus Geschäften mit Edelmetallen. Vermögensverluste der Institute können die Folge aus Änderungen von Wechselkursrelationen sein, die sich entgegen der allgemeinen Erwartungen entwickelten. Dieses Risiko besteht insbesondere bei Kreditinstituten, die international, also in verschiedenen Wirtschaftsräumen tätig sind .Die vom Wechselkursrisiko betroffenen Kreditinstitute tätigen Geschäfte in ihrer Heimatwährung und in fremder Währung (Bieg / Rübel 1998). Um so größer der Anteil solcher Geschäfte am Gesamtumsatz ist, desto größer ist das Wechselkursrisiko der Institution. Die zunehmenden internationale Geschäftigkeit erhöhte das Wechselkursrisiko. Die Anfälligkeit einer Bank für das Wechselkursrisiko ist abhängig von ihrer Währungsposition. Die Devisenmärkte gelten nach empirischen Untersuchungen als sehr effiziente Märkte. Für Marktteilnehmer mit ausreichend finanziellen Mitteln besteht die Möglichkeit überdurchschnittlich gute Ergebnisse und Gewinne zu erzielen. Für die Bankenaufsicht werden die Wechselkursrisiken daher weiterhin relevant sein. Das Risikopotential stieg an, da analog zu der steigenden Zinssatzvolatilität die Schwankungen der Wechselkurse zunahmen. Betroffen von diesen Wechselkursrisiken sind neben den Banken auch die Unternehmen, die dadurch in ihrer Wettbewerbsfähigkeit entscheidend beeinträchtigt werden können (Fey 2013).

Bei dem Wechselkursrisiko durften offene Aktiv- und Passivpositionen unabhängig von der Fälligkeit maximal 21% des Eigenkapitals betragen, es fehlte allerdings eine Differenzierung nach Währungen.

Das Aktienkursrisiko ist neben dem Zinsänderungs- und dem Wechselkursrisiko ebenfalls den Marktrisiken zuzuordnen. Verluste treten beim Aktienkursrisiko dann auf, wenn die Aktienkurse von den Erwartungen abweichen. Neben der positiven Korrelation mit der Wechselkursentwicklung und der Zinssatzentwicklung wird das Aktienkursrisiko von Gewinnen und Verlusten der Unternehmen beeinflusst. Die restlichen Marktrisiken aus Termin- und Optionsgeschäften durften 7% des haftenden Eigenkapitals nicht überschreiten, eine genauere Differenzierung der Risiken fehlte auch an dieser Stelle. Somit ist zu schlussfolgern, dass die aufsichtsrechtlichen Regelungen wegen der aufgezeigten methodischen Mängel für eine bankindividuelle Risikoanalyse unausreichend sind.

Die Marktrisiken, welche vor allem bei den Derivatengeschäften große Dimensionen annehmen können, wurden durch den Grundsatz Ia nur grob begrenzt. Häufig wurde kritisiert, dass sie nur teilweise oder unsachgerecht erfasst wurden. Es war lediglich vorgeschrieben, dass die Summe der offenen Positionen zu keinem Zeitpunkt 42% des haftenden Eigenkapitals überschreiten durfte. Durch diese Regelung erfolgte jedoch keine Eigenkapitalbindung. Eine Berücksichtigung des Derivategeschäfts ist jedoch unumgänglich, da das betreffende Geschäft von Zinssätzen und Marktpreisen abhängig ist (Deutsche Bundesbank 1993, S. 47)

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht regelte zum 20. Dezember 2005 die Mindestanforderungen für das Risikomanagement neu, so dass mit Wirkung vom 1. Januar 2007 standardisierte Abläufe und Verfahren zur Anwendung kommen, wobei auch die Risikotragfähigkeit und die Strategie der Institute berührt wird (Schätzle 2014, S. 9). Das Aktiengesetz schreibt in § 91 Abs. 2 für Unternehmen ein Frühwarnsystem vor, welches Entwicklungen erkennen soll, die die Existenz des Unternehmens bedrohen. Ein solches System kann Komponente eines Risikomanagementsystems angesehen werden (Weißensteiner 2014, S. 41)

Durch die Subprime-Krise der Jahre 2007 / 2008 erlitten nicht allein die Banken und die Ratingagenturen einen Vertrauensverlust, auch die Bankenaufsicht wurde als ungenügend empfunden (Wüst 2014, S. 24), hatte sie doch die Krise nicht zu verhindern vermocht. Zwar wurden von den Banken Stress-Tests durchgeführt, diese aber waren nicht hinreichend in ein umfassendes Risikomanagementsystem eingebettet und es wurden nicht immer diejenigen Parameter berücksichtigt, die entscheidende Risiken bargen (Hatak 2014, S. 1). So konnte die Bank- und Finanzwelt hart getroffen werden. Es wurden dann die Mindestanforderungen an ein Risikomanagement seitens der Bankenaufsicht im Dezember 2010 mit der 4. Novelle verschärft (Hollweger 2012, S. 274), bis heute aber vernachlässigen zahlreiche Banken das Risikomanagement (Consultants, Roland Berger Strategy 2014).

Literatur