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Bonitätseinschätzung

Von Alois Högl, Berlin

In den letzten Jahren ist das Risikobewusstsein an den Finanzmärkten stark gestiegen (Kreutz & Everling 2013), so dass die Bonitätseinschätzung als Bestandteil der Risikobewertung einer Investition an Bedeutung gewonnen hat.

Die Bonitätseinschätzung d.h. die Prognose des voraussichtlichen durchschnittlichen Zahlungsausfalls eines Unternehmens bzw. dessen einzelner Schuldtitel durch weltweit bekannte Rating-Agenturen wie Moody’s oder Standard & Poor, die zur systematischen Erfassung in Bonitätsklassen führen (Everling 1996, S. 5ff.; Everling 1999; Kuster 1998; Müller 1996, S. 329ff.; Neal 1996, S. 16) und auch Wahrscheinlichkeitsberechnungen (Das / Tufano 1995) für den Übergang in andere Risikoklassen beinhalten, werden oft zur Kreditrisikoabschätzung benutzt und sogar bereits als bankenaufsichtsrechtliches Instrument projektiert (Everling 1999, Helfer 1997). Dies geschieht trotz aller in ihnen enthaltener Subjektivität (Everling 1999; Hirsch 1996, S. 657ff.; Webb 1999, S. 25) und der im Vergleich zum Markt zu beobachtender Langsamkeit (Duffie / Singleton 1995, S. 17f.; Hand et. al. 1992, S. 741ff.; Parsley 1996, S. 34; Sharpe et. al. 1996, S. 447), auch zur Grundlage von Kreditderivativverträgen und Berechnung von Kreditrisiken selbst (Allen / Rodrigues 1997; Altman 1998; Frost 1997; Huge / Lando 1999; Vintschger / Zaker 1996) gemacht, obwohl dies in Deutschland nur bei kaum mehr als einhundert Adressen, für die Ratings durch führende Agenturen bestehen, möglich ist (Everling 1999) und auch weltweit sich nur auf die bedeutendsten Kredite bezieht (Vintschger / Zaker 1996; Webb 1999, S. 25).

Die Varianz der Rückzahlungen wird häufig als statistischer Maßstab zur Berechnung eines Kreditrisikos verwandt. Obwohl die Varianz eine sinnvolle Messgröße ist so hat sie doch auch schwerwiegende Einschränkungen. Die Varianz unterscheidet nicht zwischen nur einmalig auftretenden und fortlaufenden Verlusten, die sich in der Konsequenz ja im regelmäßigen Intervall addieren, also im Endeffekt weit gravierender als ein einzelner Verlust gleicher Größe sind. Der schwerwiegendste Vorbehalt gegen die Varianz ist die durch die eingeschränkte Haftung gegebene Möglichkeit eines katastrophalen Verlustes bis hin zum Totalausfall des Schuldners, wobei der Verlust sogar die Höhe der Gesamtinvestition übersteigen kann. Ein weiterer Nachteil der Varianz ist deren gleichmäßige Gewichtung sowohl aufsteigender als auch absteigender Fluktuationen obwohl nur die absteigenden ein Risiko für den Investor bedeuten.

Während die Varianz also zu vordergründig eleganten analytischen Resultaten und einfacher praktischer Implementation führt vermag sie jenen vom Investor als Hauptbestandteil des Risikos wahrgenommenen Fall des katastrophalen Verlustes nicht hinreichend zu beschreiben (Acar / Prieul 1997).

Literatur