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Bankenbacktesting

Von Alois Högl, Berlin

Backtesting bezeichnet die Anwendung eines Modells auf bereits vorliegende Daten um die Angemessenheit des Modells und damit dessen Brauchbarkeit für die Reaktion auf zukünftige Entwicklungen zu überprüfen. Es wird hierbei davon ausgegangen, dass grundlegende Ähnlichkeiten zwischen bereits abgelaufenen Prozessen und zukünftigen Entwicklungen bestehen. Für Anlage- und Investitionsstrategien etwa wird die bisherige Performance betrachtet. Im Kontext des Backtesting wurde lange zeit über vor allem den Zusammenhängen zwischen Solvenz und Liquiditätsstress zu wenig Beachtung geschenkt, obwohl diese eine hohe Relevanz besitzen, da eine grundsätzlich solvente Institution durch starke Anforderungen an eine unverzügliche Liquidität leicht ihre Solvenz einbüßen kann (Puhr / Schmitz 2014).

Gerade vor dem Hintergrund einiger katastrophaler Zusammenbrüche von Unternehmen ist daher in den letzten Jahrzehnten die Messung des Ausfallrisikos bei Portfolios erneut ein wichtiger Punkt der Diskussion in vielen Finanzinstitutionen und unter Experten geworden (Cossin 1998; Falloon 1994; Gilibert 1997; Irving 1997a und b; Koyluoglu / Hickman 1998a und b; Lando 1998; Oda / Muranaga 1997; o. V. 1998b und c; Rolfes / Broeker 1998; Sandiford 1999; Schwicht / Neske 1997; Wakeman 1996) und es wurden neue Modelle zur Berechnung entwickelt (Kealhofer 1997).

Hierfür gibt es wesentlich zwei Gründe. Einerseits ist das Volumen der gehandelten Kreditderivate immens gestiegen und hat zu hochgradig non-linearen Portfolios geführt (Bellare / Rogaway 1995; Dennis / Schnabel 1996; Vavasis 1991). Andererseits können Korrelationen zwischen Marktraten die Diversifikation beeinflussen und damit, neben den im gemessenen Marktrisiko enthaltenen aber von den gegenwärtigen Modellen nicht erfassten Anteilen des Kreditrisikos (Credit Suisse Financial Products 1997; o. V. 1998c), auch das Gesamtrisiko entscheidend verändern.

Die ungeliebte Wahrheit, dass einfache Lösungen für komplexe Probleme nicht existieren, wird zunehmend auch durch die Regulierungsbehörden anerkannt, da es zwar eine Vielzahl von #Optionsbewertungsmodellen# gibt, aber keineswegs eine einfache Faustformel dafür. Die BIZ z.B. verlangt die gemeinsame Verwendung von Stress-Test (Elliott 1997, Longin 1997; Sandiford 1999; Spillenkothen 1997, S. 8.) und Value-at-Risk (VaR) Modellen (BIZ 1996), die Bundesbank auch das sogenannte Backtesting, welches die Banken dazu verpflichtet, einen Vergleich der tatsächlich eingetretenen Verluste mit den am Tag zuvor vorhergesagten durchzuführen (o. V. 1998a).

Bei der Bestimmung der Höhe des Eigenkapitals von Banken, wie sie durch das Basel III-Paket aus dem Jahr 2012 verlangt wird, hat sich zwar in den letzten Jahren ein höheres Risikobewusstsein entwickelt (Kreutz & Everling 2013), es wird allerdings nicht unterschieden zwischen risikoarmen und risikoreichen Positionen, so dass natürlich gerade der Verkauf der riskanteren Kredite mit Hilfe von Kreditderivaten für die Banken verlockend ist. Allerdings wird diese Eigenkapitalregelung seit der Tagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank im September 1998 im Basler Ausschuss für Bankenaufsicht grundlegend überarbeitet, da die bis zu diesem Zeitpunkt standardisierten Bonitätsgewichtsregeln des Anlagebuchs überholungsbedürftig sind (Everling 1999). Erst nach einer solchen Überarbeitung kann das Backtesting als Qualitätssicherung im Risikomanagement der Banken auch tatsächlich benutzt werden. Entscheidende Bedeutung besitzt dabei neben dem Backtesting auch die #Bonitätseinschätzung#. In der Praxis erfolgt das Backtesting am besten durch den Vergleich der Performanz verschiedener Portfolios, etwa getrennt nach Eigenkapital, Bonds und Optionen (Arabi 2014). So kann die Risikobelastung der verschiedenen Subportfolios einer Bank einzeln erfasst werden, es können aber auch, wenn Werte für verschiedene Banken vorliegen, die Risiken des Tagesgeschäftes ermittelt und Warnungen gegeben werden, wenn das Risiko einen Grenzwert übersteigt (Shirazi 2014).

Literatur